Half Dome

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(Weitergeleitet von Half Dome, 2006/10)

5. Oktober 2006, Ankunft in Curry Village

Tal im Vollmond
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Tal im Vollmond
Zelt in Curry Village
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Zelt in Curry Village

Gestern hat mich Philip angerufen und gefragt, ob ich mit ihm und Henning in den Yosemite fahren wollte. Sie wollten drei Tage da bleiben und auf den Half Dome steigen. Es geht um das letzte Wochenende in Kalifornien, eigentlich hatte ich mit Enrico einen Mietwagen nehmen und nach Santa Cruz zum Strand fahren wollen. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich aber für den Yosemite. Nach dem Mittagessen geht es also los mit Hennings Golf. Endlich mal wieder ein deutsches Auto! Ich hätte es nicht gedacht, aber es ist doch ein Unterschied zu den japanischen, und was sie hier sonst noch so fahren. Es regnet in Menlo Park, aber wir entscheiden uns, trotzdem zu fahren.

Von Menlo Park aus dauert die Fahrt knapp vier Stunden. Das interessanteste dabei ist die San Matteo Bridge über die Bay. Auf der hat man fast das Gefühl, mit dem Auto direkt über das Wasser zu fahren. Danach verlässt man ziemlich schnell die Zivilisation, und man fährt durch ausgedehnte Hügellandschaften. Das Gras ist allerdings vertrocknet, das lässt die Hügel wie Dünen erscheinen. Hin und wieder stehen schwarze Stiere herum, genau wie auf der Osborne-Flasche - auch wenn der eigentlich Spanier ist. Dann folgen endlose Orangenplantagen. Wir halten in einem kleinen Ort um zu tanken, und um Kaffee und Powerbars zu kaufen.

Als wir uns dem Yosemite nähern, tauchen die Berge auf. Der Golf zieht aber souverän. Mittlerweile dämmert es, und wir halten an einigen "Vistas" für ein paar erste Fotos. Die Landschaft sieht aus, wie dem Herrn der Ringe entliehen. Überall stehen Baumgerippe, die das letzte Feuer überstanden haben, unter einem in der Dämmerung bedrohlich wirkendem bewölktem Himmel. Es ist Vollmond.

Wir stehen im Häuschen mit der Registration in Curry Village und warten auf unsere Schlüssel. In einem Fernseher zeigen sie ein Video mit Warnungen vor Bären. In einer Szene öffnet ein Bär tatsächlich ein verschlossenes Auto, indem er die Scheibe einschlägt. Danach springt der ganze Bär hinein, durchwühlt das Auto, und taucht wieder auf. Also soll man alles aus dem Auto rausräumen und in einen Bear Locker packen. Insbesondere Lebensmittel und Shampoo. Die Bären haben gelernt, dass sie den Locker nicht öffnen können, also versuchen sie es erst gar nicht mehr.

Unsere Unterkunft ist eine Art Zelt mit festem Unterbau, in dem richtige Betten stehen. Beheizt ist es allerdings nicht, und ich bin froh, dass mir Philip einen alten Schlafsack leiht. Denn die Filzdecken, die wir im Zelt finden, sind zwar gut, aber nicht gut genug. Die Nacht wird kalt werden.

Es gibt in Curry Village eine Art Versammlungshaus, in dem es ein großes Buffet gibt, Pizza und Burger und Bier. Außerdem gibt es einen großen Kamin, vor dem man entspannt sitzen kann. Wir nehmen dreimal das Buffet und laden unsere Teller voll.

6. Oktober 2006, Half Dome

Philip und ich
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Philip und ich
Vernon Fall
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Vernon Fall
Ein Baum wächst in einer Felsspalte
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Ein Baum wächst in einer Felsspalte
Henning vor dem Half Dome
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Henning vor dem Half Dome
ich auf der Spitze des Half Dome
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ich auf der Spitze des Half Dome
Der steile Weg hinab
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Der steile Weg hinab

Wir stehen früh auf, um 6:30. Es ist wirklich kalt, und ich beeile mich mit dem Anziehen. Ich bin gespannt, wie der Tag wird. Denn eigentlich bin ich ziemlich schlecht ausgerüstet für so eine Tageswanderung. Zum Beispiel habe ich nur halb kaputte Turnschuhe, in denen es sich aber ganz gut läuft. Aber ob das auch noch stimmt, wenn es steinig wird? Philip hat noch ein Paar Wanderschuhe, das er nicht braucht, und das mir ein wenig zu groß ist. Sie sind nicht allzu schwer, also were ich sie mitnehmen für den Fall, dass meine Turnschuhe überhaupt nicht mehr gehen. Wir packen unsere Rucksäcke mit Wasser, Regenjacke und Powerbars. Dann gehts zum Frühstück ins Versammlungshaus.

Das Frühstück-Buffet ist amerikanisches Frühstück aus dem Bilderbuch: Es gibt Bacon, Scrambled Eggs, Pancakes, Strawberry Soup, Fruit Salad, Oatmeal, Muffins, Donuts, eine Speise aus halbgaren Kartoffelschnitzeln mit Speck, und Kaffee natürlich. Das Oatmeal ist besonders interessant. Es ist glaube ich eine Art Hafergrütze (schwer zu sagen, da ich noch nie Hafergrütze gegessen habe). Ich denke, es sind Haferflocken mit Wasser gekocht, bis es breiig wird. Das ganze wird warm und ungesüßt serviert, man kann dann Zucker draufstreuen.

Wir fahren ins Yosemite Village zu einem Sandwichladen und lassen uns je ein großes Sandwich als Lunch machen. Dann fahren wir zum Happy Isles shuttle bus stop und wandern los, es müsste ungefähr acht Uhr sein. Hin und zurück werden es etwa 24km sein, und etwa 1400 Höhenmeter. Die letzten 240m sind "assisted by cables", was das genau heißen soll, weiß ich noch nicht. Es ist immer noch recht frisch, und ich habe alles an, was ich mithabe: Zwei T-Shirts, ein Fleece, ein Pulli und meine Softshell-Jacke. Philip und Henning sind auch gut eingepackt. Als aber nach den ersten hundert Höhenmetern der Kreislauf angesprungen ist, und zudem die Sonne herauskommt, wird es doch warm. Lustiges Gefühl, wenn unter fünf Schichten der Schweiß den Rücken herunterläuft.

Schon bald treffen wir Leona, die alleine unterwegs ist und sich uns anschließt. Eigentlich hatte sie nicht vor, eine große Wanderung zu machen, lässt sich aber von uns anstecken, auf den Half Dome mitzukommen. Sie ist aus London und ganz witzig. Allein schon, dass sie alleine in den Yosemite loszieht! Das erste spannende sind die Vernon Falls. Allerdings führt der Fluss nach Monaten ohne Regen nur sehr wenig Wasser. Aber das Bett, dass er in den Granit gegraben hat, lässt erahnen, wie es hier sonst abgeht. Eine erste Pause legen wir bei den Nevada Falls ein. Es gibt dort am Fuß des Liberty Cap ein sehr großes Granitplateau. Lustigerweise gibt es tatsächlich Bäume, die in Felsspalten wachsen. Die Landschaft sieht aus, wie von der Postkarte! Es fällt schon schwer zu glauben, dass das nicht angelegt ist.

Mittlerweile ist klar, dass wir mit dem Wetter unverschämtes Glück gehabt haben. Es ist warm, und es ist keine Wolke am Himmel! Nach den Wasserfällen kommt eine Art Hochebene, es geht also etwa fünf Kilometer ohne Steigung weiter. Hin und wieder kann man Postkarten vom Tagesziel aufnehmen. Man muss nämlich einmal um den Half Dome herumgehen, dann erst kann man den Aufstieg beginnen. Kletterer können auch den direkten Weg nehmen! Das wäre dann die senkrechte Wand, die dem Half Dome auch den Namen gibt.

Schließlich beginnt die Steigung wieder, und so langsam merke ich die Anstrengung in den Oberschenkeln. Nach etlichen Kilometern und vielen Granitstufen ist der Aufstieg auf die untere Schulter des Half Dome geschafft. Hier treffen wir auf überraschend viele Leute, so etwa 50. Wir haben zwar auch auf dem Weg immer mal wieder welche getroffen, aber dass so viele hier sein würden, hätte ich nicht gedacht.

Jetzt geht es also an die letzten 240 Meter. Es ist so gedacht, dass man einfach geradeaus die Wand hochgeht. Diese ist knapp 45 Grad steil, und wäre es nicht rauer Granit, würden Turn- oder Wanderschuhe definitiv keinen Halt finden. Links und rechts gibt es besagte Stahlseile, an denen man sich festhalten muss, wenn man rutscht. Alle zwei Meter gibt es waagerechte Holzbalken, auf denen man ausruhen kann. Bevor es losgeht, kann man sich von einem großen Haufen Handschuhe aussuchen. Die sind auch nötig, da sonst die kalten Stahlseile schnell unangehem werden. Viele trauen ihren Füßen nicht und ziehen sich stattdessen an den Seilen hoch, was natürlich noch viel anstrengender ist. Dennoch schaffen es alle Sorten von Leuten hoch.

Schließlich sind wir oben und ziemlich sprachlos. Einerseits weil wir völlig außer Atem sind, andererseits wegen dem überwältigendem Ausblick. Natürlich müssen wir bis ganz an die Spitze gehen und Fotos machen!

Nach einer guten Weile haben wir uns sattgesehen. Außerdem tauchen schnelle Wolken auf, also sollten wir uns beeilen mit dem Abstieg. Denn wenn es regnet, ist der Granit bestimmt nicht mehr so angehem rauh! Und dann wäre es etwas unangenehm, 45 Grad bergab zu gehen. Wir gehen also zurück zu den Seilen. Allerdings hat da ein Typ einen Brief gefunden, der für eine "Lorie" war, und liest ihn vor. Es ist ein peinlicher Liebesbrief! Bestimmt freut sich Lorie sehr darüber... Der Abstieg selbst ist nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte. Ich laufe vorwärts, mit kleinen Schritten. Die Seile brauche ich eigentlich nur zum Ausruhen. Sehr lustig ist es, wenn ich nach unten schaue, weil mein Körper ungewohnt schräg steht! Allerdings werde ich einen üblen Muskelkater in den Waden davon tragen.

Wir machen uns auf den Rückweg. Zwar geht es jetzt bergab, aber das macht das Laufen nicht unbedingt viel leichter. Es geht nur nicht mehr so auf die Kondition, eher auf die eh schon beanspruchten Muskeln. Schließlich kommen wir wieder in Curry Village an und freuen uns auf ein ordentliches Abendessen. Wir entscheiden uns, eine große Pizza zu bestellen, 14 ordentliche Slices. Weil es dann doch anfängt zu regnen, ist das Versammlungsgebäude total überfüllt. Schließlich ergattern wir aber einen Tisch. Leona spendiert "Hefeweizen" für alle.

Half Dome
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Half Dome

7. Oktober 2006, El Capitan, Sequoias

ich vor "The Nose" am El Capitan
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ich vor "The Nose" am El Capitan
Tunnel Tree
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Tunnel Tree

Wir stehen nicht ganz so früh auf, aber immer noch "morgens", es ist ein schöner Tag. Heute wollen wir vor der Rückfahrt noch den El Capitan und ein paar Sequoias sehen. Zuerst geht es zum El Cap, und ich bin absolut beeindruckt. Über 1000m senkrechter Granit sind beeindruckend. Man sieht vom Grund aus einige farbige Punkte hoch in der Wand, die Kletterer sein müssen. Wir folgen dem "Climbers Trail" zum Fuß der Felswand, vorbei an dem Schild das die Kletterer freundlich und mehrsprachig darauf hinweist, auch ihren "human waste" wieder mitzunehzmen. Später lese ich ein paar Berichte über Bigwall-Climbing und erfahre, dass die Kletterer extra ein "poop tube" mitnehmen, wenn sie die mehrtägigen Klettertouren angehen. Wir treffen zwei Jungs, die den Tag mit ein paar Seillängen in der Salathe Wall verbringen wollen. Mich juckt es in den Fingern, als sie einsteigen - aber da muss ich wohl warten, bis ich nächstes Jahr mit Kletterausrüstung wiederkomme.

Wir fahren weiter ins Toulumne Grove. Ein Grove ist sozusagen eine Ansammlung der Riesenbäume, es gibt im Yosemite mehrere davon. Wieder müssen wir ein paar Meilen laufen, bis wir da sind. Meine Waden brennen noch von gestern, also ist es kein angenehmer Spaziergang. Schließlich sehen wir den ersten Sequoia. Seine Äste sind ungefähr so groß wie die größsten europäischen Bäume, und ich versuche gar nicht mehr, das mit meiner kleinen Digiknipse einzufangen. Im Grove gibt es entlang des Wegs recht interessante Tafeln mit allen möglichen Informationen zu den Sequoias. Teilweise bewerten sie sogar die vergangene Nationalparkpolitik, und durchaus kritisch. Auf dem Rückweg zum Auto sehen wir noch eine Rehfamilie. Es gibt also doch noch andere Säugetiere hier außer dem gemeinen Squirrel!

Am frühen Nachmittag fahren los in Richtung Bay Area. Unterwegs halten wir noch bei einem Restaurant einer berühmten Burgerkette: In-N-Out Burger! Dieses großartige Restaurant bietet nur vier Gerichte an: Hamburger, Cheesburger, Double Double Burger und French Fries. Dafür behaupten sie aber, alle Zutaten seien frisch und man könne die Qualität schmecken. Es schmeckt wirklich nicht schlecht, aber ob es besser war als die bekannten, kann ich nicht sagen.

Am frühen Abend sind wir wieder zu Hause.

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  • Danke an Henning für die meisten der Bilder auf dieser Seite!
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