Lover's Leap mit Jesko
aus mowiki, der freien Wissensdatenbank
Lover's Leap, South Lake Tahoe, August 10th-12th, 2007
Am Freitag abend fahren Jesko und ich los nach Lover's Leap, wo Jesko das Geheimnis des Multi-Pitch kennenlernen will. Es hatte sich leider keiner gefunden, von dem wir Material hätten ausleihen können, daher fahren wir noch bei REI vorbei. Ich kaufe einen Topo, einen roten Linkcam und einen großen Camalot Nr 4, Jesko noch einen Camalot .75, und ich hoffe, dass mein Rack damit ausreicht für Lover's Leap, müsste aber eigentlich. Es ist acht Uhr, als wir uns auf den Weg machen. Wir fahren durch San Francisco, dann auf 80 und 50 und sind um Mitternacht am Campground. Wir finden einen Parkplatz, treffen die ersten Kletterer, sehen eine Leuchtrakete aus der Wand aufsteigen. Das fängt ja gut an! Wir tragen was wir so brauchen zu einer freien Campsite, breiten die Pads aus und kochen stilecht Ramen auf dem Whisperlite-Kocher und trinken Heinecken. Der Sternenhimmel ist beeindruckend, das wolkige muss die Milchstraße sein - was sonst?
Es ist kalt in der Nacht, aber nicht zu kalt, und wir stehen früh auf. Zum Frühstück gibts Espresso und Cereals mit Trockenmilch, dann gehen wir los zum Hogsback. Wir haben uns Knapsack, 5.5, ausgeguckt. Es wird meine erste vollständig vorgestiegene Mehrseillängentour werden, und Jeskos erste richtige Route draußen überhaupt, also sind wir beide gespannt. Leider ist die Route schon besetzt. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch 5.6 schaffen werden, also gehen wir weiter zu
- Deception, 5.6, 3 pitches, lead Moritz, solid follower Jesko
Deception hat eine relativ flache erste Seillänge, bei der man viel auf Platte stehen muss, aber wenn man sich das traut, ist es einfach. Die zweite Seillänge hat eine spannende Traverse mit nichts für die Hände, dafür aber relativ gut abgesichert. Und zwar mit dem Linkcam, den ich beim ersten Einsatz fast overcam'ed hätte. Zum Glück bekomme ich ihn wieder frei und kann ihn richtig setzen. Jesko schlägt sich ziemlich gut, bis auf dass er auf den letzten Metern nach der Traverse einen kleinen Karabiner runterschmeißt... Ich sehe, wie er 130m weiter unten neben unseren Rucksäcken in einen Busch fällt. Naja, vielleicht finden wir ihn später ja wieder. Die dritte Seillänge ist etwas enttäuschend, ich muss nur zwei Pieces legen und bin schon oben. Der Abstieg klappt gut, auch wenn es mittlerweile richtig heiß ist. Wieder bei den Rucksäcken finden wir tatsächlich den Karabiner wieder, er sieht sogar noch gut aus!
Wir machen Mittagspause im Schatten im Tal, unser nächstes Ziel, Bear's Reach im Blick. Es kommen zwei lustige Schweden vorbei, die eine ganze Woche da sind, und die auch an der East Wall klettern wollen. Wir beginnen etwa um halb drei den Aufstieg zur East Wall. Leider müssen wir dann doch noch auf eine Seilschaft vor uns warten, bevor wir in die Route einsteigen können. Wir nutzen die Zeit für ein weiteres großartiges Video aus der bekannten Reihe "m:o vs. wild". Als der erste Standplatz frei wird, steigen wir in die Route ein, es müsste mittlerweile vier sein.
- Bear's Reach, 5.7, 3 pitches, lead Moritz, shaky follower Jesko
Ich weiß noch vom letzten Mal, dass die erste Seillänge die schwerste ist. Das erste Piece kann man in 5m Höhe legen, das zweite 5 Seilmeter weiter links oben, also fällt man besser nicht. Außerdem ist das zweite Piece nur ein .2 Camalot, also lege ich lieber noch einen zweiten kleinen dazu. Denn es kommen zwei Meter speckiger Lieback, bevor es mit Henkeln weitergeht. Der erste Standplatz ist ok, aber nicht sehr geräumig, außerdem gibt es nicht viele Stellen für Pro, dafür viele hohle Schuppen. Ich baue einen Seilanker mit zwei Nüssen und dem neuen, großen 4er Camalot in einer seitlichen Schuppe. Jesko ist leicht fertig mit der Welt, als er ankommt. Zitternd klettert er über mich in den geräumigeren Bereich des Vorsprungs, wo er aber weit vom Ankerpunkt entfernt ist. Da will er auch nicht wieder weg, so dass ich den Anker noch etwas umbaue. Das erweist sich als ziemlich kompliziert, weil das eine Seilende von meinem Gurt fix zum Anker geht, ich also meine Selbstsicherung rausnehmen müsste, wenn ich den Anker umbaue. Da haben wir also einen klaren Nachteil des Seilankers gegenüber Schlingen oder einer Cordalette gefunden...
Jeskos Zustand gruselt mich auch ein bisschen, denn jetzt umzukehren wäre nicht ungefährlich und mit viel Materialverlust verbunden (50m abseilen am Einfachseil, oder noch einen sehr schlechten Hängestand bauen auf halber Höhe, oder ...). Dann erinnere ich mich daran, dass die zweite Seillänger einfacher war und bemühe mich, Zuversicht auszustrahlen. Ich steige ich die zweite Seillänge ein, erzähle dem Jesko alles über die Griffe, bis er mich nicht mehr hört. Er verbringt wohl seine Zeit damit zu überlegen, wie er den Anker am besten wieder abbaut. Irgendwann verliere ich dummerweise den Topo aus meiner Hosentasche, der mit merkwürdigem Flattern nach unten segelt. Na toll. Dann kommt die Crux der zweiten Seillänge, bei der man mit schlechten Tritten hoch in einen Riss greifen muss und einen versteckten Henkel findet. Nach gut 55m erreiche ich den zweiten Stand und fühle mich wie im Wohnzimmer, so komfortabel ist er. Ich baue diesmal einen Anker mit Bandschlingen, was auch ganz gut klappt und das Seilhandling enorm vereinfacht. Als Jesko ankommt, geht es ihm zum Glück viel besser!
Die dritte Seillänge ist geschenkt, wenn man nicht den schwierigen Offwidth-Ausstieg wählt sondern seitlich rechts rausgeht. Beim Abstieg treffen wie die Schweden wieder und verabreden uns zum Abendessen in der Strawberry Lodge. Ich laufe nochmal zum Einstieg und finde den Topo völlig intakt auf dem Trampelpfad liegen. Jetzt sieht er erst richtig gut aus, mit tausend Macken, Dreck und Knicken!
In der Lodge ist es ganz lustig mit den Schweden, allerdings wollen die und wir auch schnell ins Bett. Am nächsten Tag fahren wir dann nicht klettern, sondern zum Chillen an den Strand vom Lake Tahoe. Es ist warm, wir gehen schwimmen und kochen Kaffee. Die Rückfahrt ist anstrengend, weil fast die ganze Strecke übler Stau und dichter Verkehr ist. Gegen 7 sind wir wieder in Palo Alto.
