Yosemite mit Jesko
aus mowiki, der freien Wissensdatenbank
Yosemite, August 17th-20th, 2007
Nachdem meine Verpflichtung der großen Wissenschaft gegenüber einen Start dieser Tour am Donnerstag zunichte gemacht haben, geht es am Freitag endlich los: j and Mo vs. Wild, part II. Ich habe mir vom Stanford Alpine Club noch vier Cams ausgeliehen, dazu Karabiner und Schlingen. Aber wir fahren trotzdem noch zu REI, um Cordalettes, einen Helm für Jesko und Topos zu kaufen. Alles dauert seine Zeit, aber um 19 Uhr sind wir auf der Straße. Wir halten in Oakdale zum Einkaufen und Abendessen, dann geht's weiter zum SAC secret bivy spot kurz vor dem Nationalparkeingang.
Wir breiten unsere Pads und Schlafsäcke aus, machen Bier auf und besprechen den Plan für morgen. Wir wollen erst im Valley toprope klettern, ein paar Risse für Jesko. Tagsüber wird es wohl zu heiß sein, also wollen wir nachmittags die Stunde nach Tuolumne rüber fahren und auch Sonntag da bleiben. Wir sind ganz allein am bivy spot und unterhalten uns über Bären. Ich leuchte immer wieder mit der Headlamp in den Wald, und plötzlich leuchten zwei Augen zurück. Mir schlägt das Herz bis zum Hals, ich mache das Licht aus und wir warten ab, was passiert. Wir hören Rascheln und etwas später sich entfernende Tritte. Die hören sich aber eher nach Reh als nach Bär an und wir beruhigen uns. Nächstes Mal will ich näher am Auto pennen, auch wenn da das Essen drin ist, was den Bär anlocken könnte...
Wir stehen früh auf, fahren in den Park rein und frühstücken am Half Dome vista point. Jesko macht, wie so viele zuvor, das Yosemite-Foto vom Half Dome und El Capitan. Wir haben leider nur mein 60m Seil mit und stellen fest, dass das unsere Optionen limitiert, weil viele Topropes höher sind. Ich erinnere mich aber, dass es am Swan Slab einige kurze topropes gibt. Dort treffen wir einen Risskletterkurs, deren Teilnehmer aber alles blutige Anfänger zu sein scheinen. Trotzdem sind sie nett. Ich steige
- Penelope's Problem, 5.7, lead Mo, mock lead Jesko
vor, diese Route hatte ich schonmal als mock lead geschafft. Ein einfacher Finger- und Handriss hinter einer Schuppe, die für lieback zu slopy ist. Es fühlt sich ungefähr so schwer an, wie ich erwartet habe, ich lege ein toprope. Jesko steigt nach, und geht es danach als mock lead. Er kommt oben an, ohne allzusehr im Seil zu sitzen, obwohl es seine erste rissartige Route und sein erster mock lead ist. Nicht schlecht! Allerdings ist direkt sein erstes piece, der grüne Camalot, so hoffnungslos overcamed, dass es mich zehn Minuten kostet, ihn wieder aus der Wand zu holen...
Wir gehen weiter zu
- Claude's Delight, 5.7, lead Mo
was uns beide aber nicht vor Probleme stellt. Die Route ist im unteren Teil ein Handriss in einer Verschneidung, wir tapen besser unsere Handrücken. Mittlerweile ist es wirklich zu heiß geworden. Also fahren wir nach Tuolumne und machen Mittag am Tenaya Lake. Das Wasser ist gar nicht so kalt, wir springen beide rein. Da Amerikaner und Badehose anziehen immer so eine Sache ist, stellen wir uns ein wenig an. Das Dirk'sche Blankziehen vom Funsail entfällt.
Wir haben uns einen einfachen 'richtigen' Handriss zum spielen ausgesucht, am Puppy Dome (gegenüber vom Dog Dome, sehr lustig). Wir brauchen etwas, bis wir ihn finden, weil wir irgendwie oben angekommen sind. Wir seilen uns ab, und ich steige den Riss wieder vor.
- Puppy's Crack, 5.6 crack, lead Mo
Es kommt mir schwerer vor als 5.6, aber vielleicht hatte ich auch einfach nur vergessen, wie weh Rissklettern in den Füßen tut. Jesko steigt nach, kein Problem. Ich steige es nochmal vor, diesmal mache ich es mir schwer, weil ich es als sauberen Riss gehe, also ohne was anderes als den Riss zu benutzen. Jetzt weiß ich, was mich erwartet, und es klappt viel besser. Schließlich kommt ein dude vorbei, der das ganze free solo geht. Er hält es für einen Boulder, warum auch nicht, war ja nur 6m hoch.
Wir fahren über den Tioga Pass aus dem Yosemite raus und zum Mobil für eine leckere Pizza und Bier. Wir sitzen draußen im lauen Abend, es ist immer so schön, wie ich es vom letzten Mal in Erinnerung habe. Dann fahren wir zum bivy spot an der dirt road direkt hinter dem Mobil. Diesmal treffen wir keine wilden Tiere, sondern einen sternklaren Himmel. Wir sehen die Milchstraße und Sternschnuppen, nur den Nordstern finden wir nicht. Muss wohl hinter dem großen Busch sein. Oder wir haben zuviel Budweiserdosen getrunken. In der Nacht frischt der Wind auf und weht ganz schön, ich stelle fest, dass mein Schlafsack anscheinend winddicht ist. Schönes Gefühl, die leeren Bierdosen umherrollen zu hören und den Wind nur im Gesicht zu spüren.
Der Morgen ist immer noch windig, wir packen, holen Wasser beim Mobil und fahren zum Lembert Dome picknick place, frühstücken. Wir wollen uns zuerst an richtigen Rissen austoben, nachdem das gestern ja alles nicht so schwer war, und fahren zur Daff Dome South Flank. Ich brauche etwas, bis ich die Stelle wiederfinde, an der vier oder fünf schöne Risse nebeneinander sind, mit Haken, mit denen wir ein toprope legen können. Wir laufen viel über die Slabs, die so typisch sind für Tuolumne, und bestaunen die Aussicht. Bei den Rissen treffen wir Wieder einen Kurs, diesmal Standbau oder so. Das Mädel, das den Kurs leitet, entschuldigt sich tausendmal für das Chaos, aber wir sind bescheiden und brauchen nur den linken Riss. Ich steige vor, 5.8, und es geht ganz gut.
- Guide Crack, 5.8 crack, lead Mo
Ich muss mich allerdings in den zweiten Cam reinsetzen, Vertrauen schöpfen, dann gehts aber weiter. Jesko steigt es super nach. Dann steige ich es nochmal vor, diesmal kompromissloser, und ich schaffe es, durchzusteigen. Als ich wieder unten bin, sind so gut wie alle meine Nagelbetten aufgerissen vom scharfen Granit. Wir fahren zum Stately Pleasure Dome, um das Hauptprojekt dieses Trips anzugehen, eine Vier-Seillängen-Route:
- West Country, 5.7, 4 pitches, lead Mo, follow Jesko
Die ersten 60m kommt man ohne Sicherung hoch, dann aber wird es interessant. Wir sitzen in einem Kamin und machen uns bereit. Der erste Stand ist direkt 10m weiter oben und gehört eigentlich zu einer anderen Route. Aber vor uns ist eine langsame Seilschaft, also wollen wir erstmal dahingehen. Diese 10m sind schon richtige Kletterei und ich will es nicht free solo gehen. Jesko steigt nach, flucht über seinen Rucksack und das Seil und meint, free solo wäre besser gewesen. Ich hatte ihm gesagt, er solle sich in der Seilmitte einbinden, weil ich nicht 50m Seil hochziehen wollte. Also macht er das und schmeißt das gesamte Schlappseil hinter sich, was sich prompt verhakt. Er muss wieder runter und es aufschießen, naja, er hat wieder was gelernt (ich auch, ich hätte das Seil hochziehen sollen).
Zum zweiten Stand, dem ersten vorgesehenen der Route, ist es wieder nicht weit, aber ein kleiner Überhang macht es spannend. Ich kann ein gutes Piece setzen und komme sicher hoch. Jesko rutscht zweimal der Fuß weg, aber dann schafft er es. Zum dritten Stand ist es dann ein ganzes Stück 5.7 Fingerriss in einer 50cm Verschneidung, ziemlich positiv, so dass man ihn gut im lieback gehen kann. Der Granit ist aber schon sehr abgegriffen und glatt. Es ist nicht leicht, gute Pieces in den Riss zu setzen, weil ich erstens das Gewicht ungünstig verlagern muss, um hineinzusehen, und zweitens meine kleinen Pieces sehr schnell ausgehen. Am dritten Stand gibt es Haken.
Jetzt beginnt eine gruselige Seillänge, es gibt keine Stellen für Pro mehr, stattdessen drei Haken für die 40m. Es ist zwar nur 5.5, aber dafür nur Platte, auf der man gute Reibungstritte finden muss. Wenn dabei ein Fuß abrutscht, geht es abwährts. Der starke Wind macht es nicht angenehmer - ich bin froh, als ich die zwei Haken des nächsten Stands erreiche. Es ist zu steil zum stehen, ein Fast-Hängestand, Jesko nimmt es gelassen. Die letzte Seillänge ist nochmal so eine Lieback-Smear-Mischung, diesmal aber einfacher. An deren Ende baue ich glücklich den letzten Anker für heute, und bald stehen wir auf dem Gipfel und genießen den Ausblick.
Wir springen nochmal in den Tenaya Lake, essen zu abend am Ufer, und fahren zurück zum bivy spot vom ersten Abend. Diesmal gibt es keine wilden Tiere. Die Rückfahrt am Montag morgen läuft glatt. Wir sind um 12 am Slac und erzählen Enrico das ganze Abenteuer.
